Moskau Tscherjomuschki

 

 

 Schostakowitsch bringt mit „Moskau Tscherjomuschki“ eine soziale Satire auf die Bühne, die sich direkt auf die Chruschtschow Kampagne, sowjetische Großstädte umzustrukturieren, bezieht: die Bewohner überbevölkerter Stadtteile in neue Hochhaussiedlungen an den Stadtrand zu verpflanzen. Heimat. Lebensraum. Wohnparadies. Was ist das? Die Suche nach einem Ort, der gleichzeitig Geborgenheit und Lebenslust vermittelt, ist Teil Berliner Alltagsrealität(en).

 

Das Werk beschreibt, wie eine Gruppe junger Menschen im Moskau der späten 1950er Jahre in die Trabantenstadt Tscherjomuschki umgesiedelt werden soll. Bei der Besichtigung der neuen Heimat begegnen sie bürokratischen Verwaltern, korrupten Beamten und zahlreichen Hindernissen auf dem Weg in ein neues Leben. Diese Situation spiegelte aktuelle Migrationserfahrungen und die gesellschaftliche Situation Berlins als interkulturelle Metropole. Russische Jugendliche, die erst seit Kurzem in Berlin lebten, brachten ihre kulturellen Erfahrungen in den Inszenierungsprozess ein und übernahmen Chor- und kleine Spielpartien. Die Partizipation geschah gemeinsam mit dem Jugendklub der Staatsoper: alle Jugendlichen bekamen die Möglichkeit, mit Sängern des Opernstudios, des Ensembles und Musikern der Orchesterakademie und der Staatskapelle zusammen zu arbeiten. 10 Vorstellungen fanden in der Werkstatt des Schiller Theaters statt, die von einem jungen Team von Mitarbeitern und Auszubildenden in der Veranstaltungstechnik betrieben wurde. 

 

 

Schostakowitsch greift in dieser Komödie, meist auf ironisierende Weise, musikalische Elemente seiner Zeit auf: So ist diese Partitur reich an Parodien traditioneller sowjetischer Musik und Kompositionen seiner Vorgänger Glinka, Borodin und Tschaikowski. Gemischt mit Eigenschaften unterhaltender Genres wie der Operette, der Filmmusik und des amerikanischen Musicals kreiert Schostakowitsch eine „sprühende, absurde und trotzig volkstümliche musikalische Komödie.“ [Gerard McBurney] 

 

Idee: Rainer O. Brinkmann 

 

Regie: Neco Celik

ML: Ursula Stigloher